Die Solfatara in Pozzuoli

Meine Freundin Susanna aus Pozzuoli schwört, sie würde nie woanders leben wollen, als in dieser Gegend, zwischen Kratern und historischen Bauten, mit dem Blick auf die Bucht von Pozzuoli und die Inseln im Thyrrhenischen Meer von ihrem Fenster aus. Sie begleitet mich heute nachmittag zur berühmten Solfatara in den Phlegräischen Feldern
Was zuerst wie ein grüner Park aussieht, wie geschaffen für einen gemütlichen Sonntagsspaziergang, zeigt sich nach wenigen Gehminuten als eine Art Mondlandschaft mit sandigem Boden und einem als Dreiviertelkreis erkennbaren,  teils recht steilen Abhang drumherum. Wir befinden uns in einem aktiven Vulkankrater.  An verschiedenen Stellen im weißen Sand steigen Dämpfe auf: die Solfatare, kleinere Eruptionsherde, die gelblich-weiße kochendheiße Schwefeldämpfe ausstoßen. Die Ränder der Herde sind gelb gefärbt, wie auch Teile der Kraterwände, die Farbpalette reicht hin bis zu grell-orange. Von den wenigen Pflanzen, die im Krater wachsen, sind einige zwischendrin schwarz, verbrannt, verkohlt. Selbst der Boden unter unseren Füßen ist an einigen Stellen heiß wie eine Herdplatte. Ich spüre es durch die Sohlen hindurch. Ein leichter schwefliger Geruch liegt in der Luft, je nachdem wie nahe wir einer Solfatara sind, wird er stärker, doch immer noch erträglich.  
An einer Stelle im Kraterboden haben sich mehrere kleine Schlammseen gebildet. Die graue Masse in den sogenannten Schlammtöpfen blubbert und brodelt, an verschiedenen Stellen, in unterschiedlicher Konzentration und Intensität, tauchen die aufsteigenden Blasen an der matt-glänzenden Oberfläche auf.
Ein Stückchen weiter steht eine Art großer Ofen, hauptsächlich aus Backstein gebaut: eine altertümliche Sauna,  übriggeblieben aus der Römerzeit. In zwei kleineren Grotten, deren Wände und bogenförmig gewölbten Decken ebenfalls schwefel-gelb gefärbt sind, strömen die heißen Gase aus einer Öffnung in der Rückwand und verursachen so den Sauna-Effekt.
Rechts davon – fast wären wir vorbeigelaufen – befindet sich eine natürliche kleine, offene Lavahöhle oder eher eine Ausbuchtung in Bodenhöhe in der abfallenden Kraterwand: die „Hundsgrotte“, so genannt, weil kleinere Tiere, die die aus dieser Moffette austretenden Gase  einatmen, an diesen ersticken und tot umfallen. Eine makabere Vorstellung.
Mitten in dieser faszinierenden Naturwelt, an verschiedenen Stellen im Krater, sind drei moderne, fast utopisch anmutende Messgeräte aufgestellt, was den Eindruck „Mondlandschaft“ noch verstärkt. Hier werden Bewegungen des Kraterbodens gemessen, die auf vulkanische Tätigkeit schließen lassen.  Mit Reflektoren, die an Sonnenkollektoren erinnern, werden diese Daten an Satelliten im All gesendet.
Wir haben unseren Krater-Rundgang beendet. Auf der Terrasse der Caffè-Bar unter den großen schattigen Bäumen, wo es wieder aussieht wie in einem gewöhnlichen Park, trinken wir zum Abschluss einen guten, starken neapolitanischen Espresso.
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Übersetzungen - Reisejournalismus - Tourismus (Italien)
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